09.08.2002
Verein Selenogradsk leistet seit acht Jahren Beitrag zur Völkerverständigung
Elmshorn/Selenogradsk. Das aktive Vereinsleben hält die Vorsitzende Gabriele Kascha vom Verein Selenogradsk fast ständig auf Trab. Gerade kamen sie und ihr Mann Gerhard von einer 12-tägigen Reise aus Selenogradsk zurück, die sie für 43 Teilnehmer aus dem Kreis Pinneberg organisiert hatten. Schon steckt die Vorsitzende in den nächsten Vorbereitungen für die Konzertauftritte der russischen Kinder aus der Kunst- und Musikschule.
Bereits seit elf Jahren besteht zwischen dem Kreis Pinneberg und dem Rayon Selenogradsk eine Partnerschaft, seit acht Jahren setzt sich das Ehepaar Kascha für die Belange der russischen Partnergemeinde ein.
"Wir unterstützen viele öffentliche Einrichtungen", erklärt Gabriele Kascha. Mit Hilfe des deutschen Vereins Selenogradsk werden ein Kinderheim, die Mittelschule, eine Behinderten- und Jugendgruppe unterstützt und zwei Lehrkräfte bezahlt, die Deutschunterricht erteilen. Die Kaschas bewerten ihre Arbeit als einen Tropfen auf den heißen Stein. Doch steter Tropfen höhlt den Stein. Und so konnte der Verein, der im Mai 1995 gegründet wurde, bereits die russische Kinderbibliothek, die Musikschule und die Toilettenanlage der Mittelschule sanieren. Die Renovierungsarbeiten im Kinderheim "Istok" im Dorf Cholmagorowka (ehemaliges Fuchsberg) haben Ende Juli begonnen.
Angefangen hatte alles im Sommer 1993. Den ersten Kontakt mit Russland bekam das Ehepaar Kascha durch seinen Sohn Lars, der damals den 7. Jahrgang der Kooperativen Gesamtschule besuchte. Es wurden noch Betreuer für das Ferienlager gesucht. So entschlossen sich die Kaschas zur Mitfahrt in das Fischerdorf Lesnoje auf der Kurischen Nehrung. "Wir waren die erste westeuropäische Jugendgruppe in diesem Lager", erinnern sich die Eheleute. Im Frühjahr betraten sie wieder russischen Boden. Dieses Mal mit dem Ziel, sich Institutionen anzusehen. Sie wollten Patenschaften zu Kindern im Kinderheim aufbauen. "Es gab damals eine einmalige Aktion zu dem Rayon Selenogradsk. Die Partnerschaft zwischen Deutschland und Russland steckte noch in den Anfängen", so Gabriele Kascha. Sie nahm Kontakt zu der damaligen Kreispräsidentin Gudrun Schlüter auf. Aus den vielen Gesprächen und Ideen entwickelte sich der Verein Selenogradsk. Gabriele Kascha übernahm die Funktion der Vorsitzenden. Ihr Mann Gerhard, ebenfalls aktiv als Vorstandsmitglied, unterstützt sie voll in der Arbeit mit der russischen Partnergemeinde. "Wir hatten niemals geahnt, was auf uns zukommt", erklärt das Ehepaar. Selbst der Bürgermeister aus Selenogradsk äußerte sich positiv über das große Engagement des Vereins.
Zurzeit hat der Verein Selenogradsk 197 Mitglieder. Für die Durchführung der vielschichtigen Aufgaben ist finanzielle Mithilfe notwendig. Der Jahresbeitrag beträgt 30, für Schüler und Studenten 10 Euro. "Zusätzliche Spenden sind immer willkommen", so die Vorsitzende. Auf der Internetseite www.selenogradsk.de gibt es nähere Infos über die Arbeit.
Ihre erste legendäre Busreise mit Teilnehmern aus dem Kreis Pinneberg unternahmen die Kaschas 1996. Damals stellte das Pinneberger Busunternehmen Koopmann einen Reisebus kostenlos zur Verfügung. In diesem Sommer nahmen sich Uwe und Margit Koopmann die Zeit, mit ihrem Bus die rund 3000 Kilometer lange Reise selber anzutreten und die Partnergemeinde kennen zu lernen.
Den deutschen Teilnehmern wurde ein abwechslungsreiches Programm angeboten: Besuche einer Bernsteinfabrik, von Denkmälern sowie von russischen Musik- und Folkloreabenden. Sie gaben den Besuchern, die in privaten Familien untergebracht waren, einen Einblick in einen anderen Lebensstil. Die EN werden über die Erlebnisfahrt und die Arbeit des Vereins weiter berichten.
Elmshorner Nachrichten
Von Anke Leuschner





