16.07.2002
Selenogradsk. Die ersten Ferien ihres Lebens verbrachten 22 Kinder armer russischer Familien im Kreis Pinneberg.
Auf ihren Kinderseelen hat das Leben schon böse Narben hinterlassen. Jetzt aber konnten 22 russische Kinder aus dem Rayon Selenogradsk im Alter von acht bis 15 Jahren eine völlig unbeschwerte (Ferien-)Woche verleben. Eine Woche ohne Pflichten und Nöte, in der die kleinen Russen, die aus sozial extrem schwachen Familien kommen und teils regelrecht "traumatisiert" sind, nach Herzenslust toben, spielen und die vielen spannenden Erlebnisse genießen konnten. Möglich gemacht wurde dies (abermals) durch Gabriele Kascha vom Elmshorner "Selenogradsk"-Verein und ihre Mitstreiter.
"Es ist eine Freude, zu beobachten, wie die Kinder all das aufnehmen und regelrecht aufsaugen", beschrieb die Vereinsvorsitzende ihre Motivation, "da lohnt sich jeder Einsatz". Die Kindergruppe bezog, betreut von zwei russischen Begleiterinnen und von Jan Phillip Stephan und Lars Kascha, in der Barmstedter Jugendbildungsstätte Quartier. Von dort ging es zu verschiedenen Ausflügen und Erlebnistouren. Safari-Park, Polizei-Fest, Freibad, Einkaufsbummel, Mini-Golf - wird man dabei nicht müde? "Njet!", ertönte es als lautstarke Antwort des Kinderchores.
Die jungen Gäste aus Russland, von Schicksalsschlägen wie dem Verlust von Eltern oder Alkoholismus in den Familien gebeutelt und häufig auch unterernährt, erlebten manchenorts einen regelrechten "Kulturschock". Manch ein Kind, das aus einem der ganz kleinen Dörfern stammt, fuhr das erste Mal im Leben Rolltreppe, planschte das erste Mal im Schwimmbad oder sah zum ersten Mal wilde Tiere.
Der "Selenogradsk"- Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, während der Ferien-Aktionen immer andere Kinder aus dem russischen Partner-Rayon in den Kreis Pinneberg zu holen. Unterstützt werden die Ehrenamtlichen von einer ganzen Reihe von Sponsoren. Begeistert berichteten die Kinder, die sich vorher nicht kannten, von ihren Erlebnissen. Und aus der Gruppe hieß es, man werde "sich das ganze Leben lang daran erinnern". bos
Hamburger Abendblatt





