28.03.2003
Aus Enklave könnte Drehscheibe werden
Diskussion in Elmshorn über die Zukunft von Kaliningrad
Über die Chancen und Risiken der EU-Osterweiterung haben Donnerstag Politiker und Wirtschaftsunternehmer im Forum der Kooperativen Gesamtschule Elmshorn diskutiert. Eingeladen hatte der Verein Selenogradsk.
Elmshorn. Mit dem Eintritt Polens und Litauens in die Europäische Union (EU) wird das Gebiet Kaliningrad zu einer russischen Enklave in der EU.
Der Unternehmer Erich Asmussen von der Firma Gebrüder Asmussen Backhefe- und Spiritusfabrik beliefert die Region Kaliningrad seit August 1997 mit Frischbackhefe. Die Lieferung erfolgt zweimal pro Woche. "Probleme bereitet zurzeit bei fast jedem Transport der Zoll bei der Einfuhr in das Kaliningrader Gebiet. Dieser muss jedes Mal mit Vitamin B`, also mit Euro, gefüttert werden", sagte Asmussen. Der Unternehmer wünscht sich einen reibungsloseren Grenzübertritt sowie eine Vereinfachung des Zahlungsverkehrs und Erleichterungen bei der Visaerteilung.
Knapp eine Million Menschen leben in der Region Kaliningrad, etwa ein Drittel unter der Armutsgrenze. Rund acht Millionen Menschen nehmen die drei Grenzübergänge der Region jährlich in Anspruch.
Für den deutsch-russischen Jugendaustausch hat die Bundesregierung im Rahmen des Kinder- und Jugendplans im vergangenen und auch in diesem Jahr jeweils 600 000 Euro zur Verfügung gestellt. Von 1991 bis 2002 sind für Russland insgesamt 2,4 Milliarden Euro von der EU zur Verfügung gestellt worden. "Das Kaliningrader Gebiet war dabei nicht als Schwerpunkt gesetzt worden", so der SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst Dieter Rossmann.
Vom 1. Juli dieses Jahres an besteht eine Visumspflicht nach Litauen. "Eine Erleichterung der Transitverkehrsdokumente über den Landweg nach Kaliningrad ist in Vorbereitung", erklärte Rossmann. Und Europaratsmitglied Rainder Steenblock (Grüne) ergänzte: "Die EU wird für den Aufbau des Transitregimes Litauen zwölf Millionen Euro zur Verfügung stellen." Er mahnte jedoch, dass im wirtschaftlichen Bereich größere Anstrengungen der russischen Regierung nötig seien. Steenblock glaubt, dass der Standort dicht an der EU und der russischen Grenze für viele Unternehmen attraktiv ist: "Kaliningrad kann sich zur internationalen Drehscheibe entwickeln."
Rund 50 Zuhörer verfolgten die Diskussion über die Zukunft der russischen Enklave Kaliningrad, die demnächst von Mitgliedsstaaten der Europäischen Union umgeben ist. Foto: Leuschner
Elmshorner Nachrichten
Von Anke Leuschner





