03.09.2003
Partnerschaft: Die Mittelschule in Selenogradsk hat endlich einen Spielplatz - gebaut von Jugendlichen aus dem Kreis Pinneberg.
Kreis Pinneberg/Selenogradsk - Das Warenangebot im russischen Einzelhandel ist längst besser, als es die meisten Westeuropäer vermuten würden. Dennoch sind manche Versorgungsengpässe einfach unvermeidbar. Holzschutzfarbe beispielsweise war in Selenogradsk fast zwei Wochen lang ausverkauft - und das nur, weil auf dem Hof der Mittelschule mit deutscher Gründlichkeit ein Spielplatz gebaut wurde.
Zwei Wochen lang werkelten zwölf Jugendliche aus dem Kreis Pinneberg gemeinsam mit gleichaltrigen Freiwilligen aus dem Partnerkreis Selenogradsk für den guten Zweck. Ein Schaukel- und Klettergerüst, eine Hängebrücke, ein Torbogen und Holzpalisaden entstanden dank der deutsch-russischen Kooperation. Pünktlich zum Beginn des Schuljahrs war der Tummelplatz für den Nachwuchs fertig.
Gebuddelt, gesägt und gehämmert wurde gemeinsam, darüber hinaus war jedoch Arbeitsteilung angesagt. Die Jugendgruppe des Vereins Selenogradsk sammelte Spenden bei der Kreissparkasse, warb Zuschüsse bei Kreis und Land ein und steuerte das Preisgeld bei, das sie im vorigen Jahr beim Landeswettbewerb STARK erhalten hatte. In der Zwischenzeit hatten die russischen Gastgeber bereits detaillierte Pläne für den Spielplatz entworfen, für ihre Gäste ein Quartier direkt am Ostseestrand reserviert und ein abwechslungsreiches Ausflugsprogramm zusammen gestellt.
Rund 7500 Euro wurden investiert, die Elmshorner Firma Kremer lieferte Werkzeug zu Sonderpreisen, das Baumaterial konnte dagegen problemlos vor Ort in Selenogradsk erworben werden - selbst die Holzschutzfarbe war schließlich in ausreichenden Mengen verfügbar.
Bereits im vorigen Jahr hatten Jugendliche aus dem Kreis Pinneberg für ein Kinderheim im Rayon Selenogradsk einen Spielplatz gebaut. Weitere könnten folgen, meint der Leiter der Jugendgruppe, Lars Kascha. "Russische Kinder, die Deutschland besuchen, schwärmen immer wieder von den Spielplätzen, die sie bei uns gesehen haben", berichtet er.
Kein Wunder: Die Schaukel- oder Klettergeräte in ihrer Heimat stammen meist noch aus Sowjetzeiten und bestehen vorwiegend aus rostigen Metallstangen. Doch weil das Geld knapp ist, kann nur mit ehrenamtlicher Unterstützung für Abhilfe gesorgt werden. Und genau das ist geplant. Falls die Jugendgruppe des Vereins Selenogradsk auch im kommenden Jahr genügend Freiwillige zusammen bekommt, könnten Spielplätze nach deutscher Bauart zu einem echten Exportschlager werden.
Pinneberger Zeitung
Von Nils Baumgarten





