29.12.2003
Kreispräsident Tiemann und Landrat Grimme festigten bei ihrem Antrittsbesuch das Bündnis mit dem russischen Partnerkreis.
Pinneberg/Selenogradsk - Wladimir Schegeda war von Anfang an dabei. Vor 12 Jahren unterzeichnete er das erste Protokoll der Partnerschaft zwischen dem Kreis Pinneberg und dem russischen Rayon Selenogradsk. Im Oktober 1991 saß ihm dabei Kreispräsidentin Gudrun Schlüter gegenüber, das wiedervereinte Deutschland war gerade ein Jahr alt, und in Moskau war wenige Tage zuvor ein Putschversuch gescheitert.
Bewegte Zeiten waren die 90er - auch für Schegeda, der bei den ersten freien Wahlen in Selenogradsk seinen Chefposten verlor. Mittlerweile hat sich manches von den Turbulenzen der Anfangsjahre gelegt. Telefon- und E-Mail-Kontakte sind technisch kein Problem mehr, Reisen nach Selenogradsk können pauschal gebucht werden. Und Schegeda ist wieder in Amt und Würden. Vor zwei Jahren hatte er die jüngste Wahl gewonnen, jetzt traf er nach Gudrun Schlüter und Dietrich Anders bereits den dritten Protokoll-Partner. Gemeinsam mit Kreispräsident Burkhard E. Tiemann unterzeichnete er die aktuelle Vertragsversion.
Für Tiemann und Landrat Wolfgang Grimme war dies zugleich der Antrittsbesuch bei den russischen Partnern. Drei Tage lang begutachteten sie, was während der Amtszeit ihrer Vorgänger ins Rollen gebracht wurde. Drei Aspekte machen die Partnerschaft aus: Wissenstransfer für Verwaltung und Wirtschaft, direkte Unterstützung für soziale Einrichtungen, persönliche Kontakte zwischen den Bewohnern beider Regionen.
Tiemann und Grimme lernten alle drei Säulen der Partnerschaft kennen. Beim Treffen mit Mitgliedern des Vereins Selenogradsk-Pinneberg, dem russischen Pendant zum Partnerschafts-Verein im Kreis Pinneberg, erläuterte die Vorsitzende, Giga Baraewa, die Erfolge beim Austausch von Schülern und Erwachsenen.
Das Gespräch fand in der Mittelschule statt, auf deren Gelände Jugendliche aus Deutschland und aus dem Rayon Selenogradsk vor wenigen Monaten einen Spielplatz bauten. Zwei Lehrerinnen der Schule werden im Frühjahr in den Kreis Pinneberg reisen. Ziel dieser Reise ist ein Erfahrungsaustausch über Präventionsarbeit. Alkoholmissbrauch, Drogenprobleme und Aids sind für viele Jugendliche in Selenogradsk eine ernsthafte Gefahr.
Dagegen gehören die Aktivitäten der Jugendgruppen "Iskra" (Funke) und "Djuna" (Düne) zu den Lichtblicken in der Nachwuchsarbeit in Selenogradsk. In den Gruppen engagieren sich Jugendliche, die mehrere Monate oder sogar ein komplettes Jahr als Gastschüler im Kreis Pinneberg verbracht haben und ihre Erfahrungen und Kenntnisse nun an andere junge Leute weitergeben.
Auf die Frage, was der Kreis Pinneberg für die Jugendgruppen tun könne, erhielten Tiemann und Grimme eine eindeutige Antwort: "Mehr Jugendliche aus Deutschland nach Selenogradsk, damit der Schüleraustausch nicht zur Einbahnstraße wird!" Um dies zu forcieren, sollen schon bald russische Jugendliche an Schulen im Kreis Pinneberg für ihre Heimatregion werben. Zu den klassischen Themen der Partnerschaft gehört Hilfe für behinderte oder benachteiligte Kinder. In beiden Bereichen konnte vor allem der Verein Selenogradsk wichtige Aufbauarbeit leisten. Eines der Resultate ist die Gründung der Gruppe "Rutschijok" (Kleiner Fluss), in der behinderte Kinder und ihre Eltern unterstützt und betreut werden. Auch im Kinderheim "Istok" (Quelle) sind die Ergebnisse der Partnerschaft sichtbar. 30 bedürftige Jugendliche wohnen jetzt in einem nach westlichem Standard errichten Anbau an das Hauptgebäude, das nun ebenfalls mit Unterstützung aus dem Kreis Pinneberg renoviert werden soll. Das Dach des Altbaus wurde bereits mit finanzieller Förderung der Stiftung der Kreissparkasse Südholstein, des Rotary Clubs des Kreises Pinneberg und des Inner Wheel Clubs Schenefeld, der Evert Stiftung und des Vereins Selenogradsk neu gedeckt. Doch nun sind weitere Arbeiten nötig. Immerhin sollen schon bald rund 20 weitere Kinder aufgenommen werden - Mädchen und Jungen, deren Eltern gestorben sind oder mit der Erziehung hoffnungslos überfordert waren.
Auch das Krankenhaus des Rayon Selenogradsk wird bereits seit Jahren wirkungsvoll unterstützt: mit materieller Hilfe, aber auch mit der Vermittlung von Fortbildung, die das medizinische Personal in Deutschland absolvieren kann. Bei ihrem Besuch im Hospital trafen Kreispräsident und Landrat nicht nur den Leiter des Hauses, Walerii Chudalow, sondern auch den Verwaltungsdirektor des Klinikums Elmshorn, Wolfgang Sprenger. Er ist seit langem der Motor des medizinischen Know-how-Transfers und bereitet gerade die nächste Hilfsaktion vor.
Das Engagement möglichst vieler Menschen zu unterstützen und neue Anregungen zu liefern, sei das erklärte Ziel des Kreises Pinneberg, betonte Kreispräsident Tiemann im Anschluss an die Fortschreibung des Partnerschaftsprotokolls. Als neue Themenfelder der Kooperation wurden das Polizei- und Feuerwehrwesen ins Protokoll aufgenommen. Wie sehr ihnen am Gedeihen der Partnerschaft gelegen ist, demonstrierten Tiemann und Grimme mit der Festlegung ihres nächsten Besuchstermins. Bereits im Mai 2004 wollen beide erneut nach Selenogradsk reisen.
Die Partnerschaft steht auf drei Säulen: Wissenstransfer für Verwaltung und Wirtschaft, direkte Unterstützung für soziale Einrichtungen, persönliche Kontakte der Menschen.
Pinneberger Zeitung
Von Manfred Augener, Nils Baumgarten





