08.07.2003
Nach zwölf Monaten im Kreis Pinneberg kehren sechs Gastschülerinnen nach Selenogradsk zurück.
Kreis Pinneberg - Nach einem Jahr Deutschland mussten Olga, Oksana, Elena, Anna, Anja und Maja die Heimreise antreten. Die sechs Gastschülerinnen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren aus dem russischen Partnerkreis Selenogradsk haben eine abwechslungsreiche und aufregende Zeit im Kreis Pinneberg verbracht - und scheiden mit einem lachenden und einem weinenden Auge. "Wir freuen uns, Eltern und Freunde in der Heimat wieder zu sehen. Aber wir müssen in Deutschland auch viele neue Freunde zurücklassen."
Im Sommer vorigen Jahres waren die Sechs nach Deutschland gekommen - mit hohen Erwartungen, aber auch einigen Ängsten. "Ich kannte meine Gastfamilie schon von vorherigen Aufenthalten mit einer Tanzgruppe, aber ich wusste nicht, was mich in der Schule erwartet", so Olga Litvinenko. Fünf Jahre Deutschunterricht hatte die 16-Jährige hinter sich, als sie in Elmshorn einen Klassenraum der KGSE betrat. Schnell erwiesen sich alle Befürchtungen als grundlos. "Meine Mitschüler und die Lehrer, die waren alle sehr nett."
Olga hat wesentliche Unterschiede zwischen beiden Schulsystemen festgestellt. "Hier kann ich mehr Fächer abwählen als zu Hause." Auch würden Schüler und Lehrer anders miteinander umgehen. In Russland sei der Lehrer mehr Respektperson. "Wenn der den Raum betritt, müssen alle aufstehen. Das gibt es hier nicht." Was die 16-Jährige gewundert hat: "In Deutschland fallen sehr viele Stunden aus."
Fünf der sechs Gastschülerinnen waren an der KGSE, nur Elena Kuschnir (17) besuchte die IGS in Thesdorf. Dort hat sie sehr positive Erfahrungen gemacht. "Alle waren immer freundlich, immer hilfsbereit. Meine Klasse hat für mich sogar ein Abschiedsfest organisiert."
Gemeinsam machten die Russinnen Praktika bei der Bereitschaftspolizei und in der Appener Heidewegschule. "Die Arbeit mit behinderten Kindern hat mir sehr großen Spaß gemacht. Man lernt dort, sich auch über kleine Dinge zu freuen", erzählt Anna Belowa (18). Ihre Gastfamilie - für Anna ist sie ein zweites Zuhause geworden. "Wir werden in Kontakt bleiben. Hoffentlich kann ich bald wiederkommen."
Kurz vor Abschluss des Deutschland-Jahres konnten die Gastschülerinnen auf Einladung des SPD-Bundestagsabgeordneten Ernst Dieter Rossmann drei Tage lang Berlin unter die Lupe nehmen. Reichstag, Potsdamer Platz, Potsdam, sogar das Bundeskanzleramt durften sie besichtigen. Ihr Fazit: Berlin ist immer einen Besuch wert. Vor der Heimreise wurden die Russinnen und ihre Gasteltern vom neuen Kreispräsident Burkhard E. Tiemann (58, CDU) empfangen, der in diesem Jahr erstmals mit einer Delegation nach Selenogradsk reisen wird.
Pinneberger Zeitung
Von Arne Kolarczyk





