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03.11.2004


 

Russische Wehr trainiert bei uns

Kreis Pinneberg - Sie haben fünf Fahrzeuge, von denen nur zwei betriebsbereit sind. Die alten, russischen Atemschutzmasken funktionieren nicht mehr richtig. Und auch bei Bekleidung und technischem Gerät wie Pumpen gibt es im Partnerkreis Selenogradsk große Defizite. Dank einer Spende der Wedeler Feuerwehr verfügen die 34 dortigen Berufsfeuerwehrleute jetzt über in Deutschland aussortierte, aber technisch einwandfreie Ausrüstungsgegenstände.

Damit die Wehrmänner mit dem Gerät umgehen lernen, kamen jetzt sieben von ihnen für eine Woche in den Kreis Pinneberg. "Für uns ist das eine große Hilfe", sagt Eduard Kolkin, der Chef der für 37 000 Einwohner im Rayon Selenogradsk zuständigen Feuerwehr. Die Schulung der Berufsfeuerwehrmänner (Monatseinkommen 70 Euro!) durch die ehrenamtlichen Kollegen aus Deutschland hatte Kreiswehrführer Bernd Affeldt eingefädelt, als er vor drei Monaten in Rußland die Spenden übergab.

"Ich habe den Jungs dort zwar einiges zeigen können, darf jedoch keine echte Ausbildung machen. Dafür, so hatte ich es ihnen gesagt, müßten sie schon herkommen." Affeldt hat bereits zum dritten Mal eine Gastschülerin aus dem Rayon für ein Jahr in seine Familie aufgenommen, die jetzt als Dolmetscherin diente. Die Fachbegriffe übersetzte Pavel Kachaev, der ebenfalls für zwölf Monate im Kreis zu Gast war und in Selenogradsk der Feuerwehr angehört.

Im Atemschutzhaus auf dem Gelände der Kreisfeuerwehrzentrale in Tornesch lernten die Gäste, wie die Brandbekämpfung in einem völlig verqualmten Gebäude möglich ist. Wieder im Freien, wurden sie im Umgang mit einer modernen Tragkraftspritze unterwiesen. Etwa 350 Brände sind in Selenogradsk pro Jahr zu löschen. Ab Januar ist die Feuerwehr dort auch für technische Hilfe bei Verkehrsunfällen zuständig. "Bei uns passiert viel. Wir rechnen damit, daß 350 Einsätze dazukommen", so Kolkin.

Um im Fahrzeug eingeklemmte Unfallopfer befreien zu können, gehört zur Spende auch hydraulisches Rettungsgerät. Wie Schere und Spreizer richtig zu handhaben sind, lernten die Gäste aus Selenogradsk zum Schluß ihrer Ausbildung.

Die Feuerwehrleute, die im Sportlerheim des TSV Wedel untergebracht sind, reisen am Freitag zurück nach Hause. Es ist der erste Besuch von Feuerwehrleuten seit Beginn der Partnerschaft vor neun Jahren. Maßgeblich daran beteiligt war die Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, Gabriele Kascha, die ebenso wie Landesbrandmeister Uwe Eisenschmidt und Kreispräsident Burkhard E. Tiemann den Gästen einen Besuch abstattete.

Hamburger Abendblatt