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12.11.2004

 

 

Nach 45 Minuten am Einsatzort

Heede. Die sieben Mitglieder der Berufsfeuerwehr aus dem russischen Ort Selenogradsk staunten nicht schlecht, als sie die gut ausgerüsteten Wehren der Gemeinden des Kreises Pinneberg besichtigten. Die Brandbekämpfer aus dem Osten besuchten nicht nur größere Wehren in den Städten - eine ihrer Touren führte sie nach Heede. Wehrführer Heinz-Joachim Glißmann begrüßte die Russen gemeinsam mit den angetretenen Feuerwehrleuten, Vertretern der Jugendwehr Barmstedt-Rantzau (JuBaRa) und Bürgermeister Reimer Offermann.

Interessiert begutachteten die russischen Kollegen, die von Kreiswehrführer Bernd Affeldt begleitet wurden, den Fuhrpark und lauschten den Ausführungen Glißmanns. Für die Verständigung sorgte dabei das jüngste Feuerwehrmitglied, Pawel Kachaev. Der 16-Jährige aus Selenogradsk nutzte seine hervorragenden Deutschkenntnisse zum Dolmetschen. Er hatte als Austauschschüler ein Jahr lang die Realschule in Barmstedt besucht und bei Familie Glismann-Jahn in Bullenkuhlen gewohnt. Ermöglicht hatte dies der Kreis Pinneberger „Verein Selenogradsk“, der sich um die Pflege der Partnerschaft zwischen dem Kreis und dem russischen Rayon an der Ostsee kümmert. Erst im August 2004 war Pavel in seine Heimat zurückgekehrt.

Die Russen erfuhren von Glißmann alles Wissenswerte vom Hydrantennetz über die Rettungsschere bis zur Ehrenabteilung. „Zu unserem Einsatzgebiet gehören eine große Waldfläche und zwei Landesstraßen“, so Glißmann. „Wir bekämpfen pro Jahr mehrere Großfeuer und helfen bei schweren Verkehrsunfällen.“ Der Chef der Berufswehr, Eduard Kolkin, berichtete, dass er und seine 26 Kollegen etwa 350 Einsätze pro Jahr fahren. „Wir leisten ausschließlich Brandbekämpfung“, sagte er, „arbeiten im Schichtdienst und haben nach 24 Stunden Arbeit drei Tage frei. “

Die Berufsfeuerwehrmänner, die dem russischen Ministerium für Katastrophenschutz unterstehen, hatten von der Wedeler Wehr einen Hilfstransport mit Feuerwehr-Gerätschaften erhalten. „Fahrzeuge und Teile, die bei uns ausgemustert werden, weil sie nicht mehr den neuen Sicherheitsbestimmungen entsprechen, sind für den Fuhrpark in Selenogradsk ein Gewinn“, sagte Jürgen Geschwandtner, Initiator des Transports. Er und Affeldt hatten als Mitglieder des Partnervereins die russische Unterkunft besichtigt.

„Bei uns ist jede Feuerwehr innerhalb von zehn Minuten am Einsatzort“, sagte Affeldt. Die russischen Kollegen dagegen hätten einen Umkreis von 100 Kilometern zu bedienen und benötigten bis zu 45 Minuten bis zur Einsatzstelle. Um die Geräte aus Deutschland effektiv nutzen zu können, wurden die Russen zur Unterweisung nach Wedel eingeladen. Der Kreisfeuerwehrverband hatte eine Maschinistenabschlussprüfung organisiert, bei der die russischen Kollegen ein Zertifikat erhielten.

Pawel traf in Heede seine Freunde aus der JuBaRa wieder, der er während seines Barmstedt-Aufenthalts beigetreten war. Er möchte eine Jugendwehr in Selenogradsk gründen. „Zehn Interessierte stehen schon bereit“, verriet er. Unterstützung erhält er von der JuBaRa, die 2005 eine Reise in die Partnerstadt plant. „Wir möchten die Gründung der dortigen Jugendwehr mit unseren Erfahrungen unterstützen“, kündigte Jugendausbilder Mathias Gercke-Kröger an.

Quickborner Tageblatt
Von Helga Pergande