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03.09.2004

 

 

Jantar brachte 65 junge russische Künstler im KulturForum auf die Bühne

Ein "Märchen aus russischem Tanz, Musik und Gesang" versprach Tamara Sidorova zu Beginn des von ihr geleiteten Konzerts mit dem Titel Jantar im leider nur gut halbvollen KulturForum. Und fürwahr, sie sollte Wort halten. Jantar heißt auf Deutsch "Bernstein".
Und das in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Russischen Gesellschaft veranstaltete, absolut hinreißende Konzert hatte eben genau jene warme, wahrhaftige Ausstrahlung, die man diesem Stein so gerne zuspricht.
Insgesamt 65 junge Künstler im Alter von 7 bis 21 Jahre sorgten dafür, dass es auf der Bühne und davor manchmal ziemlich eng, aber immer locker, leidenschaftlich und musikalisch hochkonzentriert zuging. Zunächst begeisterte das Orchester Mosaica auf traditionellen Musikinstrumenten wie der Balalaika, der Domra, dem Bayan, Schlagzeug, Akkordeon und weiteren Instrumenten mit Eigenkompositionen seines Leiters Sergej Jakovlev. Dabei bewies es durchaus Humor. Denn sehr zur Freude der Zuhörer erklang auch das großartig arrangierte, mit einem wunderbaren Augenzwinkern vorgetragene "russische" Werk Dr. Schiwago aus der Feder des Franzosen Maurice Jarre. Zudem lieferten die Musiker neben reinen Instrumentalwerken eine erfrischende Begleitung für die folgenden Darbietungen der Tanz- und Gesangsgruppe Pljassizi und des Chores Gloria.

In strahlend bunten, von den Eltern und Kindern selbst genähten Kostümen feierten die Kinder und Jugendlichen von Pljassizi den Reichtum der russischen Seele; mal tief und stolz, dann melancholisch und getragen und plötzlich wieder übermütig und voller Freude. Dabei – und dies galt für das gesamte Konzert – geriet die Vorstellung des Ensembles unter der Leitung von Tamara Sidorova zu keiner Sekunde Zeit in das Fahrwasser einer romantisierenden Folkloreveranstaltung. Denn ehrliche Lust und Laune am eigenen Vortrag war bei allen Beteiligten deutlich spürbar.

Auf allerhöchstem stimmlichen Niveau entfachte der brillante Chor Gloria unter der Leitung von Larissa Sewastjanowa nach der Pause mit einem abwechslungsreichen Programm aus christlichen Liedern und Chorälen, Walzerklängen, Opernwerken und Chansons aus verschiedenen Zeiten, Epochen und Ländern wahre Beifallsstürme beim Publikum. Auf dieser Welle der Begeisterung erzählten Pljassizi und das Orchester Mosaica danach das "russische Märchen" weiter, welches in einem losgelösten Tanz mit dem Publikum nach zwei Stunden ein rauschendes Ende fand.

Kieler Nachrichten
Von Thomas Richter