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24.07.2004

 

 


Praktikum: Zwei Studentinnen aus Selenogradsk hospitieren in Betrieben des Kreises


Kreis Pinneberg - Natalia und Anastassija haben drei Dinge gemeinsam: Sie stammen aus dem Großraum Selenogradsk, studieren an der Universität Kaliningrad und sind jetzt für zwei Monate in Deutschland zu Gast, um in mehreren Betrieben des Kreises zu hospitieren.

Möglich gemacht hat die Praktika der Verein Selenogradsk. "Es ist bereits das vierte Mal, dass wir Studenten unseres Partnerkreises in Betriebe vermitteln konnten", so die Vereinsvorsitzende Gabriele Kascha. Die 50-Jährige fungiert für Natalia und Anastassija auch als "Ersatzmama", hat die beiden 20 Jahre alten Mädchen während ihres Deutschlandaufenthalts in ihre Familie aufgenommen.

Natalia studiert im neunten Semester Ökologie. Sie absolviert drei Praktika: im Fachdienst Umwelt der Kreisverwaltung, beim Abwasser-Zweckverband (AZV) und zum Schluss beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (NABU). "Ich schreibe gerade meine Diplomarbeit und untersuche darin, wie sich die Umweltverschmutzung auf die Gesundheit der Menschen auswirkt." Beim AZV in Hetlingen lernt die 20-Jährige derzeit, wie man Messungen vornimmt und Abwasseruntersuchungen durchführt. "Das ist schon ein Unterschied zwischen Deutschland und Russland", sagt Natalia und fügt hinzu: "Ich wünsche mir, dass wir in fünf bis zehn Jahren auch über solche Klärwerke verfügen."

Anastassija ist an Betriebswirtschaft interessiert - kein Wunder, schließlich erlernt sie im siebten Semester Management. Wie ein Kindergarten geführt wird, bekam sie in der integrativen Einrichtung der Lebenshilfe in Elmshorn gezeigt. "Das war sehr interessant, mit den Kindern zu arbeiten." Derzeit hospitiert sie in der Telekom-Niederlassung in Halstenbek. "Das ist mein erstes Praktikum. Ich möchte erfahren, wie ein Betrieb arbeitet und was die Mitarbeiter dazu beitragen."

Russische Studenten, die in den Kreis Pinneberg kommen wollen, bewerben sich in ihrer Heimat. "Ich bekomme von unserem Partnerverein Bescheid und versuche dann, geeignete Betriebe für Praktika zu finden", sagt Kascha. Sie fordert alle Unternehmen auf, weitere Praktikumsplätze anzubieten und damit die deutsch-russischen Beziehungen zu stärken. Die Verträge laufen über die Industrie- und Handelskammer (IHK), Honorar erhielten die Hospitanten nicht. Kascha: "Es sind unheimlich viele Formalitäten zu erfüllen, damit sie hier arbeiten dürfen."

Deutsche Studenten nach Russland vermitteln, gelang Kascha nicht. "Das muss sich ändern", sagt Landrat Wolfgang Grimme (39). Gemeinsam mit Kreispräsident Burkhard E. Tiemann (59) soll ab Herbst mit allen Klassen, die im Kreisgebiet Russischunterricht haben, gesprochen werden.

Hamburger Abendblatt
Von Arne Kolarczyk