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26.10.2004

 

 


Auslandseinsatz: Der Kindergarten in Selenogradsk hat ein neues Gelände zum Toben - gestaltet von Jugendlichen aus dem Kreisgebiet


Kreis Pinneberg/Selenogradsk - Ausgerechnet Giraffen? Für einen Moment war Lars Kascha ratlos. Wie könnte wohl ein Schaukelgestell die Form dieses langhalsigen Steppentiers haben? Jetzt weiß er es. Sorgsam zugeschnittenes Holz wurde kunstvoll mit gelber und schwarzer Farbe bemalt, aufgestellt und felsenfest verankert - schon reckten zwei Giraffen die Köpfe wie zu einem Kuß zusammen. Und an den beiden Hälsen hängt die Schaukel.

Große Tiere und Märchenfiguren hatten sich die Mädchen und Jungen im Kindergarten der russischen Stadt Selenogradsk für ihren Spielplatz gewünscht. Lars Kascha und seine Mitstreiter aus der Jugendgruppe des Partnerschaftsvereins Selenogradsk machten es möglich. Ein halber Zoo aus Holz und jede Menge lustig dreinblickende Ritter - Figuren aus dem Puschkin-Märchen "Ruslan und Ludmilla" - schmücken nun die Turn- und Spielgeräte auf dem vormals kargen Hof des Kindergartens.

Der Bau von Spielplätzen wird ganz allmählich zur Spezialität der Nachwuchsriege aus dem Kreis Pinneberg. Bereits zum dritten Mal opferte eine Jugend-Crew ihre Freizeit, um Kindern in der russischen Partnerregion eine dauerhafte Freude zu bereiten. Ein Kinderheim sowie die Mittelschule profitierten bereits von "Auslandseinsätzen" der Hobby-Handwerker. Diesmal waren es zwölf Studenten und Azubis im Alter zwischen 16 und 28 Jahren, die sich zwei Wochen lang auf dem Gelände des Kindergartens in den Dienst der guten Sache stellten. Die finanzielle Basis für das Projekt wurde erneut von der Stiftung der Kreissparkasse Südholstein gelegt. 2500 Euro stellte sie für Material und Werkzeug zur Verfügung.

Unterstützt wurde das Team aus dem Kreis Pinneberg von einheimischen Jugendlichen. Die ehemaligen Austauschschüler agierten unter anderem als Dolmetscher und hatten auch sonst viel Organisationsarbeit zu bewältigen. Sie kümmerten sich um Unterkunft und Verpflegung der Gäste, arrangierten ein deutsch-russisches Fußballspiel und begleiteten die Handwerker bei Ausflügen nach Kaliningrad und auf die Kurische Nehrung. "Dieses Miteinander klappt von Mal zu Mal besser", sagt Kascha. Aus den anfangs losen Kontakten sind mittlerweile viele feste Freundschaften entstanden, in jedem Jahr kommen sowohl auf deutscher wie auch auf russischer Seite neue Mitstreiter hinzu.

Auch auf der Baustelle wäre ohne die Hilfe der Gastgeber vieles sehr viel langsamer gelaufen. Das begann schon beim Einkaufen: Daß auch in Selenogradsk mittlerweile ein Baumarkt seine Pforten geöffnet hat, erleichterte die Materialbeschaffung nur bedingt. "Wir hatten jede Menge Holz bestellt", erzählt Lars Kascha, "und es wurde auch tatsächlich geliefert, aber als wir es abholen wollten, war die Hälfte schon an andere Kunden verkauft." Wer in solchen Momenten nicht fließend russisch schimpfen kann, geht auch beim nächsten Mal leer aus.

Zum Glück kam rechtzeitig genügend Nachschub. Und zum Glück hatte Bauleiter Sergej Schilov derartige Verzögerungen schon eingeplant. Der professionelle Bautechniker und passionierte Maler sorgte nicht nur für korrekte Statik, sondern auch fürs künstlerisch wertvolle Finish aller Spielplatz-Objekte - und damit für viel Glanz in den Augen der Kinder. Nun sehen die Ritterfiguren aus wie im Bilderbuch, und die Giraffen-Schaukel ist nicht nur schön anzuschauen, sondern auch stabil.

Hamburger Abendblatt