30.08.2005
Erfolgsmodell der Verständigung. Familie Kascha ist anders, als andere Familien. Zu ihr gehören nicht nur Vater, Mutter, zwei Kinder, Hund und Katze. Der Verein Selenogradsk ist das unübliche Familienmitglied. Vor zehn Jahren gegründet, ist der Verein nicht mehr aus dem Leben der Familie wegzudenken.
Elmshorn. „Wer hätte das gedacht?“ fragt Gabriele Kascha mehr sich selbst, als andere. Was mit zwölf Gründungsmitgliedern begann, hat sich heute zu einem Verein von 230 Mitgliedern entwickelt. Seit zehn Jahren ist Gabriele Kascha Vorsitzende. Gerhard Kascha unterstützt sie im Vorstand. Russisch-Student Lars ist Vorsitzender der Jugendgruppe. Einzig die in Amerika lebende Tochter Liane ist nicht aktiv beteiligt.
Initialzündung für Gabriele und Gerhard Kascha war 1993 eine Schulreise von Sohn Lars. Damals stellten sich die Eltern als Begleitperson zur Verfügung. Was sie im Selenogradsker Lager Lesnoje erlebten, hinterließ Spuren.
„Was mich so beeindruckt hat, ist die Fähigkeit der Menschen, aus wenig viel zu machen“, erinnert sich die Vorsitzende. Die russische Mentalität, Gastfreundschaft und die Treue zu ihren Traditionen bewundert sie noch heute.
Nach vielen Gesprächen auf Kreisebene wurde beschlossen, die seit 1993 vertraglich bestehende Partnerschaft des Kreises Pinneberg mit dem Rayon Selenogradsk mit Leben zu erfüllen. Reisen in beide Richtungen begannen, Austausch auf vielen Gebieten folgte.
Durch die jährlichen Konzertreihen russischer Gäste ist der Verein inzwischen in ganz Schleswig-Holstein bekannt. Doch es ist nicht die Musikförderung, die der Verein in erster Linie leisten will. Die Kooperation und Partnerschaft vor allem auf sozialem Gebiet sowie gegenseitiges Lernen von den anderen ist es, was der Verein fördert.
Die Menschen im Rayon (Kreis) Selenogradsk bekommen nichts geschenkt. Sie erhalten Hilfe und Möglichkeiten, die sie ohne den Verein und die Partnerschaft nicht hätten. Wirkliche Bewegung in ihrem Umfeld müssen sie aber selbst gestalten. „Alle müssen ihren Einsatz bringen“, betont Gabriele Kascha.
Die vielen Reisen und Aktionen in der Vereinsgeschichte sind in einer 300 Seiten starken Chronik festgehalten. Sie erscheint zum offiziellen Geburtstagsfest am Sonntag, 28. August. Die Berichte der Beteiligten zu lesen, ist wie ein kleines Abenteuer. Wer erfahren möchte, wie ganz normale Menschen ganz normale Dinge tun und dennoch viel bewegen, sollte die Chronik für zehn Euro mit nach Hause nehmen.
Wer erleben möchte, wie gut sich trotz unterschiedlicher Herkunft miteinander feiern läßt, sollte zum Geburtstags-Sommerfest in die Jugendbildungsstätte Barmstedt kommen. Ab 12.30 Uhr sind alle Freunde und Interessenten willkommen.
Uetersener Nchrichten
Von Eveline Düstersiek





