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05.07.2005

 

 

Austausch: Schüler aus Rußland und den USA verbrachten ein Jahr im Kreis Pinneberg.

"Überraschungseier", sagt Julia Tennings (17), "waren das einzige, was ich aus Deutschland kannte". Ein Jahr später hat sich das erheblich geändert. Die Austauschschülerin aus der US-Metropole Seattle reiste nicht nur mit einem Koffer voller Souvenirs zurück über den großen Teich, sondern auch mit vielen positiven Eindrücken. "Wir haben jetzt eine zweite Heimat, und das behält man für immer", fügt Janae Hockensmith (19) aus Albany im US-Bundesstaat Oregon hinzu.

Ein Jahr im Kreis Pinneberg - nicht nur für die beiden US-Girls hat sich dieses Abenteuer gelohnt. Auch sechs russische Gastschülerinnen und Gastschüler traten die Heimreise mit gemischten Gefühlen an. Ekatarina Proyss (17) aus dem Partnerkreis Selenogradsk im früheren Ostpreußen lebte ein Jahr lang bei der Familie des Kreiswehrführers Bernd Affeldt in Borstel-Hohenraden. "Ich habe hier ein neues Leben gefunden, neue Freunde und meine Gasteltern", sagt sie. Und so sehr sich "Katja" auch aufs Wiedersehen mit der Familie in Rußland freut, so sicher ist sie doch schon jetzt, daß ihr die neuen Freunde schon bald fehlen werden.

Der Schüleraustausch mit Selenogradsk wurde vom Partnerschaftsverein ins Leben gerufen. Mittlerweile können auch deutsche Schüler mehrere Monate in Rußland verbingen. Die Kreisverwaltung unterstützt das Projekt und nimmt unter der Rufnummer 04101/212 256 Anfragen entgegen. Im Haus von Vereinschefin Gabriele Kascha leben fast ständig mindestens zwei Gastschüler. Familien, die ebenfalls bereit sind, Jugendliche aufzunehmen, können sich unter der Rufnummer 04121/92385 bei ihr melden. In diesem Jahr fungierte unter anderem auch die stellvertretende Kreispräsidentin Linda Nehl als Gastmutter.

Seit Jahrzehnten schon ist dagegen der US-Austausch auf Bundesebene organisiert. Amerikanische Kongreß- und deutsche Bundestagsabgeordnete übernehmen die Patenschaft für junge Menschen aus beiden Nationen. Der Elmshorner Grünen-Abgeordnete Rainder Steenblock organisierte für die US-Schülerinnen Ausflüge nach Berlin und zum Europa-Parlament in Straßburg. Untergebracht waren auch sie in Familien. Janae besuchte das Quickborner Elsensee-Gymnasium, Julia die Theodor-Heuss-Schule in Pinneberg. Beide wunderten sich über grüne Kreidetafeln, die es, so Julia, " bestimmt nur noch in Deutschland gibt, oder?"

Auch die russischen Schüler nahmen am regulären Schulunterricht teil. Ekatarina absolvierte an der Thesdorfer Gesamtschule den Realschulabschluß - mit einer Eins in Mathematik. Kontakt zu deutschen Mitschülern zu finden, war weder für die russischen noch für die amerikanischen Jugendlichen sonderlich schwer. Als perfektes Rezept dafür bewährte sich einmal mehr der Fußball. Dimitri Prokoptschuk (17), Nachwuchstorwart aus Selenogradsk, absolvierte für die SV Lieth sogar Freundschaftsspiele zwischen den Pfosten. Julia aus der Basketball-Stadt Seattle wurde erst in Deutschland vom Soccer-Virus erfaßt. Jetzt ist sie FC-St.-Pauli-Fan.

"Ich habe jede Menge T-Shirts, Schals und Flaggen für meine Freunde in Amerika gekauft", erzählt sie. Wenn also demnächst verstärkt Totenkopf- und "Retter"-Shirts in Seattle gesichtet werden, dann ist auch das ein Erfolg des Schüleraustausch-Programms.

Pinneberger Zeitung
von Nils Baumgarten