16.07.2005
Besuche werden schwieriger
Die 750-Jahr-Feier in Kaliningrad haben sie verpaßt. Urlaub im Kreis Pinneberg stand für 20 Kinder aus dem russischen Rayon Selenogradsk statt dessen auf dem Programm. Eine gute Wahl, das stand für die Mädchen und Jungen im Alter zwischen sechs und 14 Jahren schnell fest. Auf Einladung des Vereins Selenogradsk absolvierten sie mit zwei Betreuerinnen ein Ferienprogramm, das länger in Erinnerung bleiben dürfte als der Festtagstrubel in der Heimat.
Besuche im Freibad, auf einer Bowling- und einer Minigolfbahn, eine Besichtigung der Elmshorner Feuerwache, Ausflüge in den Safari-Park in Hodenhagen- und den Tolk-Schau-Park bei Schleswig - all das ermöglichte der Verein mit Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern und großzügigen Sponsoren. "Der Aufwand ist immer gewaltig", so Vereinschefin Gabriele Kascha, "aber wer in die Augen der Kinder schaut, weiß, daß es sich gelohnt hat."
Eben deshalb hat sie auch schon fürs nächste Jahr Zimmer in der Barmstedter Jugendbildungsstätte gebucht. Auch dann sollen wieder Mädchen und Jungen eingeladen werden, die ein besonders schweres Schicksal tragen, weil sie ihre Eltern verloren haben oder getrennt von ihnen leben, bei Verwandten oder im Kinderheim Istok in der Nähe von Selenogradsk. "Das sind Kinder, die sonst nie die Chance hätten, einmal nach Deutschland zu kommen", sagt Gabriele Kascha.
Daß dies auch für andere große wie kleine Gäste immer schwieriger wird, ist ein ganz anderer Aspekt der Partnerschaft zwischen dem Kreis Pinneberg und dem Rayon Selenogradsk. Seit Monaten schon werden in Kaliningrad keine Visa mehr für Deutschland ausgestellt. Selbst Austauschschüler aus Selenogradsk müssen nun zunächst nach Moskau fliegen, um dort ihre Reisedokumente zu beantragen.
Ist das nun Absicht oder politische Schlamperei? Wird im einstigen Königsberg jetzt etwa die deutsche Vergangenheit gefeiert und dabei die Zukunft verbaut? Fragen wie diese hätte Gabriele Kascha bei der 750-Jahr-Feier denn doch gern gestellt, als die Herren Putin, Schröder und Chirac so fröhlich und einträchtig über die Strandpromenade von Svetlogorsk flanierten.
nb
Pinneberger Zeitung





