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10.07.2006

 

 

Dauergäste: Acht junge Menschen aus Selenogradsk verbrachten ein Jahr im Kreis Pinneberg. In den nächsten Tagen kehrt die Gruppe in ihre Heimat zurück. Bereits im August werden neun neue Gastschüler erwartet.

Ein Jahr haben sie im Kreis Pinneberg verbracht. Jetzt heißt es für acht Gastschüler aus dem Rayon Selenogradsk - sieben junge Damen und ein Herr - Abschiednehmen. In den nächsten Tagen reisen sie in ihre Heimat zurück - im Gepäck viele unvergeßliche Erinnerungen und Erlebnisse.

Möglich gemacht hat den Aufenthalt der Gastschüler der seit elf Jahren bestehende Verein Selenogradsk mit Sitz in Elmshorn. In dieser Zeit fanden 40 junge Menschen aus dem Rayon Unterschlupf im Kreis. Die meisten davon im Haus der Vereinsvorsitzenden Gabriele Kascha in Elmshorn, die auch diesmal drei 17jährige Mädchen aufnahm. "Das war ein spannendes, aber auch nicht ganz unanstrengendes Jahr", sagt Gabriele Kascha. Viel Zeit zum Ausruhen hat sie nicht. Bereits im August kommen neun neue Gastschüler, davon wiederum drei zu den Kaschas.

"Erst war es ein bißchen schwierig", berichtet Anastasiya (17), die bei einer Familie in Halstenbek untergekommen war und die zehnte Klasse der IGS Thesdorf besuchte. Der Unterricht sei in der Heimat viel strenger, beschränke sich auf die Monologe der Lehrer. "Hier wird viel mehr diskutiert." Sich am Unterricht zu beteiligen, obwohl die Kenntnisse der deutschen Sprache hinter denen der Mitschüler weit hinterherhinken, neue Freunde in der Klasse zu finden - mit diesen Problemen hatten die Gastschüler zu Beginn zu kämpfen.

Auch andere Schwierigkeiten wurden bewältigt. "Zum Anfang hat sie immer das gemacht, was ich sagte", sagt Silke Reuß-Hennschen über ihre Gastschülerin Anna. Nach einem Jahr hat sie, wie auch die anderen, Selbständigkeit gelernt. Dank mehrerer Praktika - etwa in der Heidewegschule in Appen oder bei der Polizei - sowie einem Deutschkurs haben sich die Sprachkenntnisse der Schüler stark verbessert. "Wenn sie jetzt nach Hause kommen, können sie besser Deutsch als ihre Lehrer", so Gabriele Kascha.

Während ihres Aufenthalts haben die Heranwachsenden aus dem Rayon auf Einladung des SPD-Bundestagsabgeordneten Ernst Dieter Rossmann Berlin kennengelernt, vier von ihnen konnten auch an einer Straßburg-Reise des Grünen-Mandatsträgers Rainder Steenblock teilnehmen.

Die Kosten pro Gastschüler und Jahr von 1500 Euro übernimmt der Verein, sie werden aus Spenden finanziert. Die Gasteltern bringen die jungen Menschen kostenlos unter. "Wir haben viele Anfragen aus Selenogradsk, führen eine Warteliste", so Kascha weiter. Was sie schade findet: Aus dem Kreis Pinneberg besteht kaum Interesse für ein Gastschuljahr in Selenogradsk.

 

Pinneberger Zeitung
von Arne Kolarczyk