19.07.2006
20 Heranwachsende aus sozial schwachen Verhältnissen reisten für acht Tage an. Der Verein Selenogradsk hatte die Kinder und Jugendlichen eingeladen. Die Kosten kamen durch Spenden zusammen.
In den Urlaub fahren - das ist für viele Bewohner des Rayon Selenogradsk nicht möglich. 20 Heranwachsende aus sozial schwachen Verhältnissen konnten jetzt dennoch acht unbeschwerte Ferientage im Partnerkreis Pinneberg verbringen. Möglich gemacht hat dies der Verein Selenogradsk mit Sitz in Elmshorn, der sämtliche Reisekosten in Höhe von annähernd 8000 Euro übernahm.
In diesem Jahr ist es bereits das zehnte Mal, das eine solche Gruppe sich auf die weite Reise nach Barmstedt gemacht hat. Dort erfolgte die Unterbringung in der Jugendbildungsstätte. Nach 23stündiger Busfahrt trafen die Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen elf und 16 Jahren sowie ihre zwei Betreuer am vorigen Mittwoch ein.
"Die Auswahl der Teilnehmer hat das Sozialamt vor Ort übernommen", berichtete Gabriele Kascha, die Vorsitzende des Vereins. Die Hälfte von ihnen stammt aus dem Kinderheim Istok, die andere Hälfte aus schwierigen familiären und wirtschaftlichen Verhältnissen. Kascha: "Wichtig war, daß keiner schon hier war."
Bevor die Heranwachsenden den Bus nach Barmstedt besteigen konnten, waren umfangreiche Vorbereitungen in ihrer Heimat notwendig. Fotos mußten gemacht, Pässe beschafft, die Echtheit der Dokumente durch einen Notar bestätigt werden. Um die notwendigen Visa zu beantragen, mußte ein Helfer sogar nach Moskau fliegen.
Dinge, die das Projekt immens verteuerten. "Wir konnten die Kosten gerade eben aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden decken", so Kascha weiter. So hat beispielsweise die Stiftung der Sparkasse Südholstein einen erklecklichen Betrag beigesteuert. Auch Spenden anderer Art waren willkommen: So stellte die Firma Harry Brot aus Schenefeld ihre Produkte kostenfrei zur Verfügung.
In Barmstedt angekommen, hatten Kascha und Co. für die Gäste ein abwechslungsreiches Programm organisiert. Die Kids konnten die Feuerwache in Wedel besuchen, nahmen voriges Wochenende am Hafenfest teil und schipperten mit einem Feuerwehrboot über die Elbe. Bei einem (natürlich simulierten) Brand durften sie sich auch als Feuerwehrmann versuchen.
An der Nordsee stand eine Wattwanderung an, auf der Muscheln und Krabben gesammelt wurden. "Die kennen keine Ebbe und Flut, waren sehr erstaunt", so die Vorsitzende weiter. Action satt bot eine Stippvisite zum Heidepark. Gestern ging es, den Temperaturen angemessen, ins Elmshorner Freibad, bevor morgen die Rückreise erfolgt. Dann fahren auch die Gastschüler aus Selenogradsk, die sich ein Jahr im Kreis aufgehalten haben, mit zurück. An Bord sind zudem 14 deutsche Jugendliche, die einen Spielplatz auf der Kurischen Nehrung errichten werden.
Von Arne Kolarczyk
Pinneberger Zeitung





