24.04.2008
Selenogradsk ist eine Reise wert. 20 Schüler, Eltern und Lehrer der Gustav-Heinemann-Realschule hatten sich kürzlich aufgemacht, um im russischen Selenogradsk, dem früheren Cranz, eine Schulpatenschaft zu begründen. Sie erkundeten dabei neun Tage lang das ehemalige Ostpreußen.
Uetersen/Selenogradsk. Es war schon ein kleines Abenteuer, die Reise der Realschüler ins russische Selenogradsk. Die Anreise in Richtung der früheren ostpreußischen Stadt erfolgte per Schiff. Anschließend ging es per Bus entlang der etwa 100 Kilometer langen Kurischen Nehrung über Nidden nach Cranz.
Die Partnerschule der Uetersener Gustav-Heinemann-Realschule, zu der bereits 2006 brieflicher Kontakt aufgenommen wurde, ist die Mittelschule Selenogradsk. Sie umfasst die Klassen 5 bis 11. Insgesamt besuchen rund 700 Mädchen und Jungen diese Bildungseinrichtung. Den Prozess der Partnerschaftsentwicklung hat die Vorsitzende des Elmshorner Vereins für die Partnerschaft zwischen dem Kreis Pinneberg und dem Rayon Selenogradsk, Gabriele Kascha, unterstützt.
Nicht nur Ausflüge in die Umgebung der etwa 11000 Einwohner starken Stadt standen auf dem umfangreichen Besuchsprogramm, sondern auch die Teilnahme am Unterricht. So verfolgten die Uetersener Schüler unter anderem den Mathematik- und den Deutschunterricht, der sehr straff und lehrerzentriert erfolgte. Die Medienausstattung der Schule ist beachtlich. In etlichen Fachräumen gibt es Beamer und Computer. Auch für das leibliche Wohl der Schüler wird vor Ort gesorgt. So wird jedem Kind, jedem Jugendlichen ein Mittagessen angeboten. Und: Die Schulwoche umfasst sechs Tage.
Während ihres mehrtägigen Aufenthaltes waren die 13- und 14-Jährigen aus der Rosenstadt in Familien untergebracht. Gemeinsam mit ihren Gastgebern wurde die Region Kaliningrad erkundet. Die Uetersener Schüler konnten sich einen eigenen Eindruck von der landschaftlichen Schönheit des Gebietes machen. Die Stadt selber verändert sich schnell. Die alte Bausubstanz ist zum Teil verfallen. Renovierungsarbeiten belegen aber auch, dass man vor Ort bemüht ist, die markanten Gebäude aus der Gründerzeit zu erhalten. Neues entsteht ebenfalls reichlich.
Ein unbedingtes Muss für Selenogradsk-Besucher ist ein Ausflug in die russische Metropole Kaliningrad mit ihren etwa 400000 Einwohnern. Die Stadt platzt fast aus allen Nähten. Sie entwickelt sich rasant. Die Uetersener staunten, dass die Straßen von modernen, europäischen Autos beherrscht werden und es mehrere Einkaufszentren gibt, die durchaus mit deutschen Shopping-Centern vergleichbar sind. Damit hatten sie nicht gerechnet.
Besucht wurden der Königsberger Dom, das dort untergebrachte Kant-Museum und der Bunker von General Lasch, dem letzten deutschen Kommandanten der Festung Königsberg.
Wer nach Selenogradsk fährt, dem begegnet überall Bernstein. Einen ganzen Tag lang widmeten sich die Uetersener Schüler diesem Gold der Ostsee. „Auf den Spuren des Bernsteins“ lautete das Motto der Erkundungsfahrt. In Jantarnyi, dem früheren Palmnickel, besuchten sie das einzige Bernstein-Tagebauwerk der Welt. 95 Prozent des Bernsteins wird an der Samlandküste gewonnen. Im Anschluss an einen Besuch des Bernsteinmuseums und angesteckt vom Glanz im Museum versuchten die Uetersener Realschüler selbst am Strand von Jantarnyi Bernstein zu finden. Schnell kehrte dabei aber Ernüchterung ein.
Die vielleicht schönste Stadt in der Region Kaliningrad ist das ehemalige Rauschen (Svetlogorsk). Die Uetersener hatten Gelegenheit, die atemberaubende Steilküste zu besuchen und eine orthodoxe Kirche, die einst evangelisch war.
Bleibt noch zu berichten, dass die Verständigung in den Gastfamilien gut klappte. Die russischen Partner sprachen entweder Englisch oder Deutsch. Und wenn die Fremdsprachenkenntnisse einmal nicht ausreichten, wurden Hände und Füße zu Hilfe genommen. Auch an das russische Essen gewöhnten sich die Realschüler schnell. Blinis (russische Pfannkuchen), Pelmini (Hackfleischtaschen) und die Suppe Borschtsch wurden als äußerst lecker eingestuft.
Als die Teilnehmer der neuntägigen Reise schließlich wieder nach Uetersen zurückkehrten, waren sie voller positiver Eindrücke. Die Jugendlichen schwärmten von der russischen Gastfreundschaft und freuen sich nun auf ihre neuen Freunde, die sie schon im Oktober wiedersehen werden – während eines Gegenbesuches in Uetersen.
Dann wird es auch die Revanche für das von den Uetersenern verlorene Volleyballspiel geben. Bis dahin heißt es aber noch, tüchtig zu üben.
Uetersener Nachrichten





