09.07.2011
Verein Selenogradsk organisiert im Kreis Pinneberg seit 20 Jahren Austauschprogramme und soziale Projekte
Mascha Borisowa, 17, legt den großen Hammer aus der Hand und strahlt: Ein Jahr hat sie in Deutschland gelebt und die Elmshorner Bismarck-Schule besucht. "Das ist alles so schön hier in Deutschland. Ich habe viele neue Freunde gefunden und unheimlich viel gelernt."
An dieser guten Erfahrung trägt Familie Kascha aus Elmshorn den größten Anteil. Dort ist die junge Russin gemeinsam mit einer Freundin untergebracht. Beide kommen aus Selenogradsk, dem Partnerbezirk des Kreises Pinneberg. Dorthin halten die Kaschas seit zwei Jahrzehnten engen Kontakt. 75 Gastschülerinnen sind bislang im Kreis Pinneberg aufgenommen worden. "Leider ist das Interesse in die andere Richtung nicht so stark", bedauert Gaby Kascha. Ganze zwei Deutsche trauten sich bislang in Richtung Osten.
Lennart Jürgensen, 18, will einer der nächsten deutschen Dauergäste in Selenogradsk werden. Nach dem Abitur wird er für zehn Monate dort arbeiten, möglichst in einem Kindergarten. "Denn die Kinder sind am geduldigsten, um einem Fremden die Sprache beizubringen", sagt der junge Mann aus Brande-Hörnerkirchen.
Patrick Husfeldt, 19, hat vor zwei Jahren eine Aktion in Selenogradsk mitgemacht, hat dort einen Spielplatz gebaut, kam aber leider kaum mit Russen direkt in Kontakt. Deshalb hat er sich gemeinsam mit seinem Freund Lennart intensiv umgesehen, um eine gemeinsame Unterkunft für die jetzt laufende deutsch-russische Begegnung zu finden. Da die Jugendbildungsstätte in Barmstedt wegen Umbaus nicht zur Verfügung steht und die Unterkunft des Wedeler TSV wegen Urlaub geschlossen ist, war das gar nicht so einfach.
Die Lösung lieferte Familie Piepenhagen aus Barmstedt. Sie stellte ihr Haus, das renoviert werden muss, für die 13 jungen Russen und ihre sieben deutschen Partner zur Verfügung. "Da können wir gar nicht genug Danke für sagen", meint Gaby Kascha.
Zum aktuellen Begegnungsprogramm zählen wie gewohnt Kultur und Freizeit sowie ein Arbeitsprojekt. Hand anlegen dürfen Russen und Deutsche auf dem Schäferhof in Appen. Dort muss eine Aufforstungsfläche, die zum Naturerlebnisbereich gehört, vor Rehwild geschützt werden. Kultur erlebten Gäste und Gastgeber in Berlin und Hamburg sowie in Barmstedt.
Für Sascha Kozhanski, 22, wird es nicht der letzte Aufenthalt in Deutschland gewesen sein. Der 22 Jahre alte Student der Wirtschaftswissenschaften sagt: "Deutschland ist das Zentrum Europas. Ich wollte mit den Menschen in diesem Land reden und arbeiten."
Damit die jungen Leute sich untereinander verständigen können, sind natürlich Sprachbegabte gefragt. Auf deutscher Seite übernahm Lars Kascha den Job. Er hatte jahrelang als Jugendobmann des Vereins Selenogradsk gewirkt. Auf russischer Seite konnten sich die beiden Gastschülerinnen als Dolmetscherinnen beweisen. So wuchs die Gruppe eng zusammen - doch am Donnerstag heißt es Abschied nehmen.
Für Familie Kascha heißt nach der Begegnung vor der Begegnung. Am 29. Juli geht es auf Reisen. Am 17. August kommen für zwölf Tage 76 Schüler der Musikschule. Dafür werden noch vier Familien gesucht, die je zwei Jungen oder Mädchen unterbringen. Kontakt: 04121/923 85. Sie ermuntert: "Solche Begegnungen bereichern unser Leben."
Hamburger Abendblatt
Michael Rahn





